Ayurveda und Tofu
Ich werde in meiner Praxis häufig darauf angesprochen ob Ayurveda den Konsum von Tofu und Soja beführtwortet oder ablehnt. Die Antwort ist nicht ganz einfach, denn in den alten ayurvedischen Texten (z.B. Charaka Samhita oder Sushruta Samhita) wird Soja nicht erwähnt. Offensichtlich waren Soja und Tofu zu der Zeit in Indien nicht bekannt. Es gibt daher im Ayurveda bezüglich Tofu eine eher traditionell koservative und eine moderne, integrative, eher westlich geprägte Sichtweise. Sicher ist, dass Tofu aus ayurvedischer Sicht schwer verdaulich ist und kühlend wirkt.
Die Wirkung von ungewürztem Tofu auf unseren Körper aus ayurvedischer Sicht:
- Rasa (Geschmack): mild, leicht süsslich
- Virya (Wirkung): kühlend
- Vipaka (Nachwirkung): süss
- Wirkung auf die Doshas:
- Pitta senkend
- Kapha leicht erhöhend
- Vata sehr erhöhend, speziell kalt oder roh konsumiert
Tofu ist also nicht absolut un-ayurvedisch aber seine Wirkung hängt sehr stark von der Art des Tofus und seiner Zubereitung ab. Ein sehr fester Tofu ist viel schwerer zu verdauuen als ein etwas weniger fester aber fluffiger Tofu und warmer, gut gewürzter Tofu ist viel leichter zu verdauen als kalter Tofu. Vata und Kapha Konstitutionen sollte Tofu nur zu sich nehmen, wenn sie kein Völlegefühl oder Blähungen davon bekommen.
Allgemein wird empfohlen Tofu nie kalt und nie abends zu konsumieren.
Knuspriges Tofu Rezept für zwei Personen
Hier geht's zum Rezept.
Historische und allgemeine Hinweise zum Tofu
Sojaprodukte und Tofu haben in Ost- und Südostasien eine lange Tradition. Inbesondere in China, Japan und Korea, ist Tofu seit Jahrhunderten ein Grundnahrungsmittel. Auch in Vietnam, Thailand, Indonesien, Malaysia, Singapur und Kambodscha ist Tofu sehr verbreitet und fest in der lokalen Küche verankert. In westlichen Ländern erfreut sich Tofu als eine proteinreiche pflanzliche Nahrungsquelle immer grösserer Beliebtheit, speziell bei Vegetariern und Veganern. Es gibt aber einge es viele kontroverse Themen, die sich um Tofu drehen.
- die Regenwaldabholzung um Soja anzupflanzen
- Gentech-Soja, Monokulturen und Pestizide
- gesundheitliche Aspekte bezüglich der Phytoöstrogene und ihr Einfluss auf unseren Hormonhaushalt
- die starke Industrialisierung der Tofuproduktion, die zu stark verarbeiteten Lebensmitteln führt
Zu Punkt 1 und 2 muss gesagt werden, dass der größte Teil der globalen Sojaproduktion aus Ländern wie Brasilien stammt, wo riesige Flächen Regenwald für Sojafelder gerodet werden – insbesondere im Amazonasgebiet. Etwa 80% dieses Soja wird für die Fleischproduktion eingesetzt. Wer Fleisch- und Tierprodukte konsumiert, trägt indirekt meist stärker zur Soja-Nachfrage und damit zur Umweltbelastung bei als Menschen, die Tofu essen. Interessanterweise wird Soja, das zur Herstellung von Lebensmitteln verwendet wird, häufig nicht in Argentinien, den USA oder Brasilien angepflanzt.
Zu Punkt 3 kann gesagt werden, dass die Forschung inzwischen nachweisen kann, dass die Isoflavone von Soja, die eine östrogenähnliche Wirkung haben, sehr viel schlechter an die Östrogenrezepetoren des menschlichen Körper andocken als ursprünglich gedacht und sich daher in verschiedenen Studien eher ein positiver Effekt zeigen liess, speziell wenn rotes Fleisch teilweise durch Tofu ersetzt wurde. Auch in Fleisch finden wir Hormone, diese sind aber eher auf den menschlichen Körper angepasst als die Isoflavone des Tofu, was problematischer ist.
Soja
Soja ist eine proteinreiche Hülsenfrucht, die weltweit als wichtige pflanzliche Eiweißquelle geschätzt wird. Neben ihren zahlreichen Nährstoffen enthält Soja jedoch auch sogenannte Antinährstoffe (Antinutrients), wie Phytinsäure, Trypsin-Inhibitoren und Lektine. Diese Substanzen können die Aufnahme von Mineralstoffen wie Eisen, Zink und Kalzium verringern oder die Eiweißverdauung beeinträchtigen. Allerdings lassen sich viele dieser Verbindungen durch Verarbeitungsschritte wie Einweichen, Fermentieren, Keimen oder Kochen deutlich reduzieren.
Tofu
Der Name Tofu stammt aus dem chinesischen und bedeutet "geronnene Bohne" ("To" bedeutet Bohne und "Fu" steht für gerinnen). Daher wird Tofu oft als "Bohnenquark" oder "Bohnenkäse" bezeichnet, da er aus geronnener Sojamilch entsteht, ähnlich wie Quark oder Käse aus Tiermilch. Da Tofu recht mild und geschmacksneutral ist, kann er mit Gewürzen oder durch räuchern schmackhaft gemacht werden. Zum Räuchern wird vor allem Buchenholz verwendet.
Die Herstellung von Tofu
Um Tofu herzustellen, werden die Bohnen eingeweicht und püriert, anschließend die faserigen Bestandteile der Bohnen ausgesiebt. So entsteht Sojamilch, die gekocht wird. Ein Gerinnungsmittel lässt dann das Eiweiß ausflocken. Anschließend noch das Wasser auspressen - und fertig ist der Tofu. Der Prozess ähnelt der Herstellung von Quark und Käse, wobei zur Gerinnung der Tiermilch meistens Lab aus Kälbermägen eingesetzt wird. Bei der Tofu-Produktion werden zum Ausfällen von Fett und Eiweissen verschiedene anorganische oder organische Gerinnungsmittel eingesetzt.
Warum ist Tofu so unterschiedlich im Geschmack und in der Textur?
Je nachdem, welches Gerinnungsmittel verwendet wird und wie stark und lange der entstehende Sojabruch gepresst wird, entstehen ganz unterschiedliche Texturen und Geschmacksprofile. Weitere wichtige Faktoren sind die Temperatur beim Gerinnen (hohe Temperaturen führen zu hartem, kompaktem Tofu) und der Eiweissgehalt der Sojamilch.
Typische Gerinnungsmittel zur Tofuherstellung sind:
- Nigari (Magnesiumchlorid, MgCl2) -> Zum Beispiel Demeter Tofu von Migros
- Traditionell Japanisch
- glatte, weiche, seidige Texturen
- bitterlich-mineralische Note
- typischerweise ideal für Desserts und Suppen
- Gips (Calciusulfat, CaSO4) -> Zum Beispiel Demeter Tofu von Coop
- Weit verbreitet in China
- feste, kompakte Tofusorten
- höhere Calciumgehalt, besonders gut für Knochen
- ideal zum Braten, Grillen und Fritieren
- Glucono-d-lacton (GDL)
- milde organische Säure wie bei der Joghurtgerinnung
- fürht u sehr weichem, seidigen Tofu
- wird vor allem in Japen zur industriellen Herstellung von Seidentofu verwendet
- Essig, Zitronensaft oder andere Säuren
- bröckeliger, körniger Tofu
- wenig stabil und eher säuerlich
- meist in hausgemachten Varianten verwendet